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  • Günter Holasek

Montagsbotschaft

Sehnsucht.


Sehnsucht (von Mittelhochdeutsch "Sensuth", als Krankheit des schmerzlichen Verlangens) ist ein inniges Verlangen nach Personen, Sachen, Zuständen oder Zeitspannen. Sie ist mit dem Gefühl verbunden, den Gegenstand der Sehnsucht nicht erreichen zu können. Diese Erklärung ist schon sehr gut, doch es gibt noch manches zu ergänzen. Selbst Tiere kennen ohne Zweifel das Gefühl der Sehnsucht, nur dass sie es auf einer anderen Bewusstseinsebene erleben. Kann ein Mensch eine Sehnsucht entwickeln nach etwas, das er weder kennt, gefühlt, noch jemals erfahren hat? Die Antwort kann nur ein "Nein" sein. Warum entwickelt ein zutiefst verzweifelter Mensch das Gefühl einer Todessehnsucht und scheidet freiwillig aus dem Leben? Hat dieser Mensch eine echte Todessehnsucht oder steckt eine andere Motivation dahinter? Wie schon erwähnt bedarf es dabei eines Objektes, das bedeutet z.B. ein Mensch, ein Tier, einen Gegenstand, ein Erlebnis, eine Vorstellung, ein erfahrenes starkes Gefühl. Ist der Tod ein erstrebenswertes Objekt oder ist es nur der ersehnte Übergang zu einer vermeintlichen Freiheit, ein zu durchschreitendes Tor? Die meisten Menschen fürchten den Tod. Wenn also ein Mensch Todessehnsucht empfindet und freiwillig aus dem Leben scheiden will, so unternimmt er diesen Schritt, um all dem erfahrenen Leid, den Zweifeln, den Sorgen, den Ängsten, den Schmerzen und der Resignation zu entfliehen. Das Objekt seiner Sehnsucht ist somit nicht der Tod, sondern die Sehnsucht nach Befreiung, ein unbewusstes Sehnen nach positiven Lebensumständen aus diesem oder vergangenen Leben. Und wie verhält es sich dann damit, wenn sich Menschen, getrieben aus einer inneren Sehnsucht, auf die Suche nach Gott machen? Eine tiefe Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit, die weit über die familiäre Intention hinaus reicht. Sind diese Werte das Objekt, oder ein höheres Bewusstsein, das wir Gott nennen? Kann sich ein Wesen nach Gott sehnen, wenn es keinen gibt? Auch hier kann die Antwort nur "Nein" sein. Die Präsenz unseres Ursprungs, Ursache aller Ursachen, Quelle aller Quellen, also Gott unabhängig von jeder menschengemachten Religion, gehört zur unbewussten Erinnerung eines jeden Lebewesens. Man sieht das selbst bei Pflanzen und Tieren. Sogar Insekten fühlen sich so vom Licht angezogen, dass sie solange versuchen es zu erreichen, bis ihre Lebenskräfte versiegen. Dort, wo wir herkommen, aus dem allgegenwärtigen, Ewigen Licht, das alle Manifestationen der Schöpfung hervor bringt, dort ist unser wahres Zuhause. Unsere tief empfundene, oft verdrängte Sehnsucht, lässt uns Leben für Leben diesem Ziel näher kommen. Schon seit Generationen will man uns weismachen, dass die Schöpfung und alle Lebewesen das Produkt von Zufall, Evolution und Mutationen sind. Der einzige Sinn des Lebens bestehe darin, ein möglichst schmerzfreies Leben mit ständig wachsendem Konsum zu führen, da man eh nur dieses eine Leben hat und die Seele nur eine Fiktion sei, eine Erfindung der Religionen. Wir wurden zu einem Leben erzogen und konditioniert, in dem Sexualität und größtmöglicher Genuss den Sinn des Lebens darstellen, sinnentleert, unbefriedigend und lebensfremd. Diese tief in unserem Herzen, in unserer Seele angelegte Gottessehnsucht kann im Leben eines jeden Menschen gestillt werden. Dazu bedarf es keinem Leben in Leid und Kummer, in Schuld und Sünde, in Askese und Selbstkasteiung oder im exzessiven Konsum und Genuss. Doch im Außen wird man Gott nicht finden. Nur sein Wirken kann man erkennen in dieser staunenswerten Schöpfung. Dieser Ewige Hunger nach Licht und Liebe kann nur in uns gestillt werden. Dieses Wunder geschieht, wenn wir uns vorbehaltlos nach innen wenden, alle Konditionierungen und Dogmen loslassen, wenn wir dankbar die Türe zu unserem geläuterten Herzen aufstoßen und der Höchsten Liebe Zutritt gewähren. In alten Schriften kann man es lesen: "Das Reich Gottes ist in uns". Gesegnet ist der Mensch, der dies in seinem Leben erfahren darf. Er wandelt auf der Erde und ist doch im Himmel.


Greybeard




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