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  • Günter Holasek

Montagsbotschaft

Der Grashalm.


Vor einigen Tagen machte ich bei einem Gewitterspaziergang eine faszinierende Beobachtung. Ich ging an einer Wiese entlang und Sturmböen peitschten den Regen über das Gras. Die Halme wurden hin und her geworfen, bis auf die Erde hinunter gedrückt und richteten sich wieder auf. Fast stolz stellten sie sich dem Unwetter entgegen, gaben nach, bogen sich geschmeidig und erhoben sich immer wieder, um ihren Auftrag in der Schöpfung zu erfüllen. Weitere Gedanken stiegen aus meinem Unbewussten empor. Fest verwurzelt mit der Mutter Erde dienen sie den Lebewesen, geben den größten Teil ihres Körpers als Nahrung hin. Werden über's Jahr gemäht und geschnitten, ziehen sich im Winter zurück, der sichtbare Teil scheint abzusterben. Doch im Frühjahr erwacht die Seele des Halmes, entfaltet gemäß seinem Auftrag die ihm innewohnende Kraft auf's Neue, ohne Zaudern, Hadern und Klagen. Mit Leichtigkeit strebt der Grashalm in Richtung der Sonne, nimmt das nährende Licht in sich auf. Ein wunderbares Grün, eine Hymne an die Schönheit der Schöpfung, erfreut unsere Augen und unsere Seele. Die Halme trotzen der Hitze, dem Wind, dem Regen und der Kälte, Jahr für Jahr! Ist das nicht ein Wunder? So bete ich um das Geschenk der Kraft eines Halmes. Wenn der Sturm des Lebens mich nieder drückt, werde ich mich biegen ohne zu brechen, mich wieder aufrichten zu voller Größe. Wird meine Freiheit beschnitten und begrenzt, so werde ich zu gegebener Zeit wieder in all meiner Kraft in Erscheinung treten. Ungebrochen und voller Freude will ich dem Leben mit meinen Gaben dienen, die ich von der Höchsten Gottheit erhalten habe. Ich verschenke, was mir geschenkt wurde, Wärme, Liebe, Mitgefühl, Harmonie und Freude. Immer wieder, wenn ich nun an einer Wiese vorüber gehe, werde ich mir meiner Aufgabe bewusst. Dankbar werde ich mich ins Gras legen, die Kraft von Mutter Erde und der Halme in mir aufnehmen, mich mit Hingabe meinem Auftrag in der Schöpfung widmen. Was für ein wunderbares Geschenk ist so ein Menschenleben. Möge es mir auf Dauer gelingen den Wert meines Daseins zu ermessen und durch mein Wirken segnend Einfluss auf die Menschen zu nehmen, die mir in diesem Leben begegnen.


Greybeard




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