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  • Günter Holasek

Montagsbotschaft

Montagsbotschaft: Die Mauer.


Bei meiner letzten Wanderung machte ich Rast auf einer kleinen Holzbank am Wegesrand. Als ich so entspannt da saß, fiel mein Blick auf eine Natursteinmauer, die auf der anderen Seite den Weg säumte. Zusammengefügt aus naturbelassenen Steinen aller Größen und Formen, wirkte sie trotz des wenigen Mörtels relativ stabil. Schon nach kurzer Zeit stiegen Gedanken aus meinem Inneren empor und verbanden diese Mauer symbolisch mit dem Leben vieler Menschen. So schichten viele Menschen Problem auf Problem aufeinander und so vielgestaltig sich diese darstellen, genauso vielfältig entwickelt sich eine Mauer aus unreflektierten Lebensthemen. Schwierigkeiten werden verdrängt, also nicht aufgearbeitet und so schichten sie im übertragenen Sinne eine scheinbar unüberwindliche Mauer auf, die von Jahr zu Jahr immer höher wird. Dann kommt die Zeit, in der dieser Mensch diese Mauer seiner Lebensthemen nicht mehr überblicken kann. Er hat sich selbst eingemauert und die Freiheit ausgesperrt. All die hinderlichen Glaubenssätze, Denkmuster und Handlungsgewohnheiten bilden die Steine der Mauer und der Mörtel besteht meist aus Selbstzweifeln und Schuldgefühlen. Die größten Steinbrocken sind Minderwertigkeitsgefühle, Ängste, Kummer, Sorgen, Zweifel, Hass, Neid und Gier. Wie kann man eine so mächtige Mauer, die ein erfülltes und glückliches Leben nahezu unmöglich macht, zum Einsturz bringen? Auch hier möchte ich gerne die Natur als Erklärungshilfe heran ziehen. Zuerst sollte der Mörtel, der alles zusammen hält, beseitigt werden.

Ein starkes Gewitter naht und ein reißender Regenguss der Vergebung und der Selbstvergebung spült den Mörtel der Selbstzweifel und Schuldgefühle aus den Fugen der Mauer. Ein tosender Sturm begleitet das Gewitter und im Rauschen der tobenden Erkenntnis beginnt die Mauer zu wanken. Die Hoffnung und die Selbstliebe brechen sich ihre Bahn, lösen die ersten Brocken aus der Mauer. Die Dankbarkeit und das Gewahrwerden der eigenen Kraft und Stärke bringen die Erde zum Beben und die Mauer fällt. Ein gewaltiger Donnerschlag des ungebrochenen Lebensmutes zerbricht die Steine der Mauer, lässt sie in kleinste Teile zerfallen. Der strömende Regen der Wandlung spült sie hinweg und sie fließen mit dem Wasser in den Ozean der Barmherzigkeit. Der Himmel klart auf, das Licht erscheint und trocknet die Tränen der Dankbarkeit. Am Horizont taucht leuchtend rot die Sonne der Liebe auf und die Strahlen der Weiterentwicklung tilgen alle Spuren der Schuld. Ein sanfter Wind weht den letzten Staub der Selbstzweifel davon. Befreit ist dann der Mensch und voller Klarheit. Erfüllt von Licht, Liebe und Mitgefühl strebt er dem neuen Tag entgegen, der durchdrungen ist von der Höchsten Kosmischen Liebe.

So sei es!


Greybeard




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